Worin liegt das Risiko bei der Suche nach einem seriösen Datenretter

Als EDV Sachverständiger und IT Forensiker bin ich zwangsläufig vertraut mit dem Umgang von Privat- und Geschäftsdaten meiner Kunden. Personenbezogene Daten sind ein schützenswertes Gut! Kunden die wegen eines Defektes an einem Datenträger diesen aus der Hand geben, setzen einen mustergültigen Datenschutz in das ausgewählte Unternehmen voraus. Doch leider nehmen es einige damit nicht ganz so ernst.

Über Jahre hinweg waren die Anzahl der Datenrettungsanbieter überschaubar. Und heute?

Wir sehen eine wachsende Anzahl neuer Firmierungen, neu erblühte Niederlassungen in guter Lage in repräsentativen Gebäuden überall und in nahezu jeder Stadt. Schaut man genauer hin, erkennt jeder schnell die meisten „Datenrettungsanlaufstellen“ sind schlichte Mietbüros wo Festplatten angenommen werden und dann auf eine unbekannte Reise oft auch ins Ausland gehen.

Grundsätzlich wäre nichts gegen eine Datenrettung im Ausland, wenn gute Arbeit geleistet wird. Jedoch spricht alles dagegen, wenn Kunden getäuscht werden und davon nichts erfahren.

Die Masche

IT-Fachhändler werden um Ihr Geschäft und Ihrer Reputation beraubt. Die Abzocker in der Datenrettungsszene sind sehr erfinderisch wenn es darum geht ein schnelles Geschäft zu machen. Der aktuelle Trend besteht dahin, in möglichst vielen Städten IT-Fachhändler zu suchen, die sich damit einverstanden erklären, dass Ihre Adresse als Kontaktstelle des Datenretters für Kunden in der Region des Fachhändlers und auch in Googlemaps erscheint. Was der IT-Fachhändler nicht weiß ist, er setzt sich durch diese Form der Zusammenarbeit jedoch der Gefahr einer Abmahnung aus. Präzedenzfälle hierzu gab es bereits genügend.

Einfache Jobs der Datenwiederherstellung von versehentlich gelöschten Daten oder Dateistrukturfehler sind für viele IT-Händler ein Teil des Tagesgeschäfts. Diese werden Ihnen durch die Zusammenarbeit mit solchen dubiosen Unternehmen weggenommen, ohne dass sie es wirklich bemerken. Eine solche Zusammenarbeit hat zur Folge, dass ein IT-Händler die Kontrolle, als Erst-Anlaufstelle für den Kunden, in fremde Hände gibt und ein Geschäft verliert. Und wenn ein Händler denkt, dass solche Kunden wieder an den Händler zurückverwiesen werden, damit dieser Vor-Ort dem Kunden helfen kann, irrt er. Geködert werden solche IT-Partner mit vollmundigen Provisionen und versprechen und niedrigeren Gebühren für Initialisierungspauschalen.

Falsche Versprechungen

Dann gibt es einen schier unglaublichen "Bullshit" und vollkommen übertriebener Betonung von "Erfolgsquoten" im edelsten Webdesign, dieses soll allein dazu dienen den Markt flächendeckend abzugreifen. Also Rettungsfälle einsammeln, und zwar so viele wie möglich. Kunden der eingesammelten Rettungsfälle von einem Datenrettungsversuch "überzeugen" und zwar auch dann, wenn ein Fall technisch aussichtslos ist.

Einige werben mit kostenloser Festplattenanalyse und darunter gibt es Firmen die einfach nur eine Analyse Erfinden, ohne die Festplatten wirklich jemals untersucht, geschweige denn geöffnet zu haben. Denn es gilt Kosten und Aufwand so niedrig wie möglich zu halten also auch den Zeitaufwand für die Überprüfung eines Datenträgers. Aussichtslose Aufträge bleiben zunächst unbeachtet denn auf die Lukrativen hat man es abgesehen. Kommt man dann doch auf die aussichtlosen Fälle zurück werden Kunden oft getäuscht und zahlen hohe Beträge ab 700 Euro ohne jemals Date zu erhalten..

Getäuschte Kunden

Getäuscht werden Kunden ebenso über den tatsächlichen Schaden. Zehn Datenrettungsanbieter in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt haben wir getestet und mussten feststellen, dass nur drei eine saubere Arbeit abgeliefert haben. Die von uns präparierten Datenträger wiesen nur geringe Schäden auf, welche mittels Lötkolben leicht hätten behoben werden könnten. Ein Kostenangebot von etwa 150,00 bis 200,00 Euro wäre zu erwarten gewesen. Stattdessen wurden Schadensbilder über defekten Motoren und überaus schwere mechanische defekte unterbreitet. Angebotspreise lagen bei vier der Zeitgenossen bei über 3700,00 Euro.

Manipulationen sind keine Seltenheit

Auch sind Manipulationen am Datenträger bei einigen Rettungsdiensten kein Fremdwort. Angesichts der hohen Angebotskosten, die von einigen nicht gezahlt werden wollen oder können ist es nicht wünschenswert, dass eine zweite Meinung zu einem ganz anderen Ergebnis und schließlich einen viel günstigeren Preis führen könnte.

Andere bieten eine kostenpflichtige Analyse und das aus gutem Grund. Es bedarf nun einmal einen technischen Aufwand, der zum Einsatz kommen muss um eine adäquate Analyse zu erhalten. Aber Mittlerweile ist es so, dass gerade weil einige Anbieter mit idiotischen Versprechungen und auch ohne Diagnosekosten werben, sind nahezu alle seriösen Dienstleister  gezwungen keine Kosten für Diagnosen zu berechnen.

Was kann der Hilfesuchende tun?

Wie zu sehen ist, Hilfesuchende wähnen sich in einem Haifischbecken.

Worauf können Kunden bei der objektiven Beurteilung über die Leistungsfähigkeit und Seriosität eines Anbieters noch zählen? Und worauf sollte ein Kunde achten, um dubiose Anbieter zu enttarnen?

Trauen Sie keinen vollmundigen Versprechungen. Seien Sie clever und lesen die AGB und das Impressum. Googeln Sie die Adresse, verbirgt sich hinter einem Dienstleister womöglich eine dieser beschriebenen Heuschrecken. Leisten Sie keinerlei Vorauszahlungen. Ohne Daten kein Geld. Lassen Sie sich nichts vormachen. Lesen Sie auch nachvollziehbare Kundenmeinungen. Nutzen Sie Google-Rezessionen. Doch Vorsicht! Auch hier kann  stark Manipuliert werden. Googlen Sie gegebenenfalls in der Regin des Anbieters den Namen welcher die Rezession geschrieben hat und rufen Sie an.

Grundlegende Verhaltensweise

Ruhe bewaren! Es geht um Ihre Daten!

Wenn ein Schadensfall eintritt, ist die Gefahr groß von Beginn an die falschen Überlegungen zu treffen. Deshalb unbedingt das bereits aufgezeigte berücksichtigen und sich folgende Fragen selbst beantworten. Nehmen Sie sich die Zeit um zu erkennen, welcher Anbieter in der Lage ist und die besten Voraussetzungen hat um Ihre Daten mit einer realistischen Wahrscheinlichkeit

  1. Kann ich meinen Datenträger persönlich abgeben?
  2. Gibt es einen persönlichen Ansprechpartner, der mich den gesamten Datenrettungsprozess begleitet?
  3. Gibt es ein eindeutiges und Fehlerfreies Impressum des Anbieters?
  4. Befindet sich der Firmensitz und das Labor in Deutschland?
  5. Erhalte ich eine Dateiliste zur Überprüfung der wiederhergestellten Daten?
  6. Erhalte ich ein schriftliches Angebot? Sehr wichtig! Mit Beschreibung der Einzelleistungen und deren Preisangaben!
  7. Werden die Datenträger und die Daten nicht nur eingesammelt und außer Haus weitergegeben?
  8. Sind notwendige Ersatzteile im Preis enthalten?
  9. Kann ich mich jederzeit über den aktuellen Status meiner Rettung erkundigen? Per Telefon oder E-Mail.
  10. Kann ich meine Daten vor Ort bei Abholung überprüfen?

Sie sollten sich auch Fragen:

Befinden sich meine Daten in sicheren Händen?

Man muss bei all der schwierigen Suche aber auch sagen, eine Vielzahl der Datenrettungsunternehmen sind seriöse Anbieter. Allerdings leiden diese Datenrettungslabore unter den Praktiken genauso wie die Kunden, die getäuscht und enttäuscht werden.

 

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